07.11.2019 - Die RBI wirkt bis zur Stratosphäre

Johann Strobl, Stefanie Mills, Andrea Sihn-Weber und Christian Helmenstein - © RBI/Sabine Klimpt

Die Raiffeisen Bank International stellte beim 10. Stakeholder Council erstmals ihren ökonomischen Fußabdruck für den gesamten Konzern vor. Der Wertschöpfungsbericht zeigt eine große Wirkung im CEE-Raum und Österreich.

Warum? Warum geht es einigen Volkswirtschaften besser als anderen? Diese Frage stellte Christian Helmenstein, Vorstandsmitglied des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung und Chefökonom der Industriellenvereinigung Österreich, beim diesjährigen RBI Stakeholder Council. Anders als bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidet heute nicht mehr die Ausstattung mit natürlichen Ressourcen über den Erfolg. "Es sind nicht die ressourcenreichen Länder, die wir heute in Sachen Wohlstand zum Vorbild nehmen sollten", betont Helmenstein. Rohstoffreiche Länder tendieren durch die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zu Trägheit, begünstigen die Bildung von Oligarchengruppen und die Institutionen weisen eine geringere Qualität auf, so der Ökonom. "Heute entscheidet vielmehr das Humankapital, also wie wir unser Gemeinwesen organisieren", liefert er schließlich die Antwort für erfolgreiche Nationen. Österreich profitiere von der europäischen Staatengemeinschaft und insbesondere von der Ostöffnung. In der Krise wurde das Osteuropaengagement noch als Klumpenrisiko bezeichnet, aber der Wachstumsvorsprung im CEE-Raum werde noch bis zu 50 Jahre andauern, prognostiziert Helmenstein. Denn so lange werde es dauern, bis die Einkommensunterschiede so zusammengerückt sind wie in der EU. Österreichs Exporteure könnten von diesem Wachstum profitieren, aber anders als Helmenstein vermutet hätte, lassen sich heimische Unternehmen bei ihren Auslandsengagements nicht von florierenden Wirtschaften leiten. Vielmehr besteht ein signifikanter Zusammenhang zur Marktgröße und Marktentfernung. "Beim Radius von 3.000 Kilometer ist Schluss", weiß Helmenstein. Der Ökonom kennt die synergetischen Effekte zwischen der RBI und der Realwirtschaft genau, hat er doch erstmals den ökonomischen Fußabdruck der Raiffeisen Bank International in all ihren Märkten errechnet. Das "Tandem zwischen Realwirtschaft und Bankwirtschaft" wird darin sichtbar, sodass Helmenstein zu dem Schluss kommt: "Wir müssen in Europa daran arbeiten, Banken zu schaffen, die Betriebe auch in fernen Ländern unterstützen können."
 

Zu den Ergebnissen

Zusätzlich zu ihren Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten publiziert die RBI nun erstmals mit dem Wertschöpfungsbericht die volkswirtschaftliche Bedeutung im CEE-Raum inklusive Österreich. (Die Bedeutung der RBI für Österreich allein wurde bereits 2013 und 2017 im Wertschöpfungsbericht der Raiffeisen Bankengruppe Österreich errechnet.) "In den letzten Jahren kam es im Bankensektor zu Veränderungen der Umfeldbedingungen, wie etwa regulatorische Maßnahmen zur Sicherung der Finanzmarktstabilität, Restrukturierungen in Österreich sowie in Zentral- und Osteuropa, ein längerfristiges Niedrigzinsumfeld bis hin zu Anpassungen aufgrund der zunehmenden Digitalisierung samt Veränderungen im Nutzungsverhalten. Vor diesem Hintergrund war es unser Ziel, mit dem ökonomischen Fußabdruck die Wertschöpfungs- und Beschäftigungsbeiträge der RBI in allen Ländern, in denen sie tätig ist, für 2018 zu ermitteln", beschreibt Andrea Sihn-Weber, Leiterin des Nachhaltigkeitsmanagements in der RBI, die Intention für den Studienauftrag.

In die Berechnungen des ökonomischen Impacts der RBI flossen nicht nur die direkten wirtschaftlichen Beiträge durch die operative Tätigkeit ein, sondern auch indirekte Effekte entlang des vorgelagerten Wertschöpfungsnetzwerks. Mangels der erforderlichen Daten in einzelnen CEE-Ländern wurden allerdings die aus der Einkommensverwendung resultierenden -induzierten - Effekte im Rahmen dieser Studie - anders als in den Österreichberichten - nicht quantifiziert.

Nun zu den Ergebnissen: Die gesamte Bruttowertschöpfung der RBI, also der volkswirtschaftliche Mehrwert, beläuft sich auf 5,30 Mrd. Euro. "Damit ist die RBI größer als die Gastronomie in Österreich. Österreich ist also nicht nur Tourismusland, sondern auch Bankenland", vergleicht Helmenstein. 4,12 Mrd. Euro oder knapp 78 Prozent werden direkt ausgelöst, 1,18 Mrd. Euro indirekt. Das ergibt einen Wertschöpfungsmultiplikator von 1,29. Das bedeutet, dass mit jedem von der RBI erwirtschafteten Euro 29 Cent Wertschöpfung in anderen Sektoren innerhalb der betrachteten Grenzen, in welchen die RBI tätig ist, generiert werden. Auf Länderebene betrachtet weisen neben Österreich mit 1,70 auch Albanien mit 1,36 und Serbien mit 1,30 überdurchschnittliche Multiplikatoren auf.

Doppelzählungen und damit eine Überschätzung des Gesamteffekts schließt Christian Helmenstein durch die multinationale Struktur des Satellitenkontos aus, das heißt, Verflechtungen zwischen den Ländern und Rückkoppelungseffekte wurden berücksichtigt.

Der Bruttoproduktionswert der RBI beläuft sich für 2018 auf direkt 5,44 Mrd. Euro, hinzu kommen indirekte Effekte in Höhe von 2,62 Mrd. Euro. Mit jedem generierten Euro Bruttoproduktionswert werden folglich 48 Cent an indirekten Effekten in anderen Wirtschaftssektoren ausgelöst. Auf Länderebene betrachtet hat Österreich mit seiner Headquarter-Funktion und 1,98 Mrd. Euro den größten Bruttoproduktionswert, gefolgt von Russland und Rumänien.

Der Beschäftigungsmultiplikator beläuft sich auf 1,18, das heißt, mit rund 5 Arbeitsplätzen in der RBI wird ein weiterer Arbeitsplatz in einem anderen Wirtschaftssektor geschaffen. Insgesamt sichert die RBI 55.743 Arbeitsplätze, 47.079 davon direkt. "Die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Studie untermauern die Bedeutung der RBI als wichtigen Player am europäischen Bankenmarkt, insbesondere im zentral-, süd- und osteuropäischen Raum", freut sich Sihn-Weber.

Die vielen abstrakten Zahlen verbildlicht Helmenstein noch mit seinem "Space Elevator": "Wenn eine Million Euro Produktionswert ein Stockwerk darstellt, dann wäre die RBI an der Grenze zur Stratosphäre. 80 Prozent der heimischen Unternehmen kommen über das Erdgeschoß allerdings nicht hinaus." Was Internationalisierung konkret bringt, das belegen viele Studien: So steigt nicht nur die Investitionsintensität im Heimatland, sondern es erhöht sich auch die Arbeitsproduktivität und die Produktivitätsprämie für die Arbeitnehmer steigt um ein Viertel.
 

Nachhaltige Vision 2025

Die positiven Effekte einer Internationalisierungsstrategie hat die Raiffeisen Bank International auch selbst erfahren. 1987 hat die Bank ihre ersten Schritte in CEE gesetzt. Man ist stolz auf alles, was erreicht wurde, aber in der RBI erkennt man, dass man sich auf den Erfolgen keinesfalls ausruhen dürfe. Das veränderte Umfeld mit neuen Kundenanforderungen, neuen Ressourcen - Stichwort Daten - und neuer Konkurrenz haben zu einer intensiven Auseinandersetzung (über sieben Monate hinweg) mit der Positionierung der Bank geführt. Das Ergebnis ist die "Vision 2025", mit diesem Jahr will die RBI der am häufigsten empfohlene Finanzdienstleister sein. Erreicht werden soll dies über Innovationen, die das Leben der Kunden erleichtern. Aber wie RBI-Vorstandsvorsitzender Johann Strobl klarstellt: "Wir sind kein Technologieunternehmen, sondern wollen weiterhin eine Bank bleiben." Die Kundenbeziehung stehe deshalb bei allen Veränderungen im Mittelpunkt.

Im Zuge der strategischen Schärfung wurden auch die Unternehmenswerte neu definiert, wie Stefanie Mills, Leiterin der Strategieentwicklung in der RBI, berichtet. Es geht dabei vor allem um bessere Zusammenarbeit, Diversität, das Vorantreiben von proaktivem Handeln der Mitarbeiter, Offenheit für persönliche Entwicklung, eine neue Fehlerkultur, Vertrauen und Verantwortung. "Jeder einzelne Mitarbeiter muss Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen", betont Mills.

Wie die Mission der RBI aus Nachhaltigkeitssicht und basierend auf den Unternehmenswerten bestmöglich mit Leben erfüllt werden könnte, das wurde beim 10. Stakeholder Council nach dem Informationsteil in Arbeitsgruppen ausgiebig besprochen. Die vier Workshops fokussierten dabei auf die adressierten Stakeholdergruppen der Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und Öffentlichkeit. Die Ergebnisse und Fortschritte werden dann beim 11. Stakeholder Council im kommenden Jahr präsentiert.
 

Spürbare Fortschritte

Was sich seit dem Vorjahr getan hat, fasst Andrea Sihn-Weber kurz zusammen: Die Nachhaltigkeitsratings sind stabil - mit "C+" bei ISS oekom ist die RBI weiterhin auf dem Prime-Level. Dieses Rating war auch wichtige Voraussetzung für die beiden erfolgreichen Green Bond Emissionen, die jeweils deutlich überzeichnet waren. Alleine mit der ersten - 2018 erfolgten -Benchmark-Emission eines Green Bonds in Österreich konnten 10.300 Tonnen CO2 eingespart werden. Darüber hinaus werden beispielsweise mittels eines Support Faktors grüne und sozial wünschenswerte Investitionen begünstigt. "Die Reise im Zusammenhang mit Sustainable Finance hat gerade erst begonnen, passt optimal zur Ausrichtung der Bank und bietet viele Chancen", betont Sihn-Weber. Auch in den Bereichen Diversitätsmanagement und bei betriebsökologischen Maßnahmen meldet sie Fortschritte und registriert insgesamt: "Die Stakeholder-Erwartungen verändern sich: Die gesellschaftliche Verantwortung rückt viel stärker ins Zentrum." Die bestehende Nachhaltigkeitsstrategie der RBI wird daher konsequent umgesetzt. So will man weiterhin verantwortungsvoller Banker, fairer Partner und engagierter Unternehmensbürger sein.

Quelle: Raiffeisenzeitung; Text: Elisabeth Hell
Bild: Johann Strobl, Stefanie Mills, Andrea Sihn-Weber und Christian Helmenstein; © RBI/Sabine Klimpt