24.10.2019 - Entwicklung mit Charme

Rainer Stelzer und Dieter Aigner; © RLB Steiermark

In der Steiermark fließen immer mehr Gelder in nachhaltige Fonds.


Die Fridays-for-Future-Bewegung ist auch in Graz angekommen", freut sich Rainer Stelzer, Vorstandsdirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark. Immer mehr Schüler gehen weltweit für den Klimaschutz auf die Straße. Die Jugend-Demos sind Treiber und sichtbares Zeichen, für Umweltschutz einzutreten. Nachhaltigkeit zieht sich allerdings schon länger durch viele Wirtschaftszweige, gerade im Finanzbereich. "Nachhaltigkeit steckt bei Raiffeisen seit mehr als 130 Jahren in den Genen. Wir sind keine Trittbrettfahrer", unterstreicht Stelzer.
 
So ist das Raiffeisen-Sparbuch für Stelzer von Natur aus nachhaltig, aufgrund der nachhaltigen Ausrichtung der Raiffeisenbanken. Aus der Region für die Region, nach diesem Motto umfasst Nachhaltigkeit ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Für nachhaltige Investitionen gibt es bei Raiffeisen sowohl für Private als auch für Betriebe einen Finanzierungsbonus. "Wir schauen, dass Nachhaltigkeit in allen Bereichen Platz findet. Am weitesten sind wir sicherlich beim Thema Geldanlage", berichtet Stelzer. Immer mehr Anleger wollen ihr Geld mit gutem Gewissen investieren - die Finanzkrise 2008 hat hier die Initialzündung geliefert. Getrieben auch vom historischen Zinstief und einer guten Konjunktur, die Anleger empfänglicher für nachhaltige Themen mache, boomen nachhaltige Fonds - auch in der Steiermark. Während das Gesamtvolumen an Raiffeisen-Fonds in der Raiffeisen-Bankengruppe Steiermark seit Ende 2014 bis September 2019 um 61 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro gestiegen ist, hat sich das Volumen der Nachhaltigkeitsfonds um mehr als das 15-fache gesteigert, von 13,8 Mio. auf 214,3 Mio. Euro. Der Anteil am Gesamtfondsvolumen hat sich allein seit dem Vorjahr von 8,7 auf 14,1 Prozent erhöht.
 
Bei den Neuabschlüssen ist der Trend noch deutlicher abzulesen. 30,8 Prozent der neuen Fondsgelder fließen bei Raiffeisen Steiermark in nachhaltige Produkte. Heuer sind mit 42,7 Mio. Euro auch schon mehr Gelder in nachhaltige Fonds geflossen als im Gesamtjahr 2018. "Raiffeisen war Pionier auf dem Gebiet und diese Aufbauarbeit kommt im Markt immer besser an - auch getrieben durch die Jugend", erklärt Stelzer . Denn gerade in der Gruppe der 20-bis 29-Jährigen werden neuerdings die meisten Depot-Abschlüsse registriert.
 
Insgesamt hat jeder fünfte Raiffeisen-Kunde in der Steiermark schon ein Wertpapierdepot und es gibt mittlerweile mehr als 100.000 Fondsansparpläne -Tendenz steigend. "Immer mehr Sparvolumen geht in Fondsprodukte", so Stelzer. Hohes Potenzial ist aber weiterhin gegeben, denn gemessen am gesamten Sparguthaben von 9,8 Mrd. Euro bei Raiffeisen Steiermark sind lediglich 2,2 Prozent in Nachhaltigkeitsfonds veranlagt.
 
Um das Thema den Kunden näher zu bringen, gibt es bei Raiffeisen Steiermark bereits 104 Berater, die das mehrstufige ÖGUT-Ausbildungsprogramm zum zertifizierten Nachhaltigkeitsberater absolviert haben. Wesentliches Entscheidungskriterium für ein nachhaltiges Produkt sei kein kurzfristiges Gewinnstreben, stellt Stelzer klar: "Nachhaltigkeit und Langfristigkeit, das sind Zwillinge."
 

Nachhaltiger Umstieg

Die Fondsproduktpalette kommt von der Raiffeisen KAG, die immer mehr Fonds nachhaltig gestaltet. "Unser Anspruch für die kommenden zwei Jahre ist es, unsere gesamte Palette nachhaltig zu gestalten", nennt Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG, das nächste Ziel. Die Volumina in die Nachhaltigkeitsfonds haben sich jedenfalls schon in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt und erst heuer knackte der Raiffeisen-Nachhaltigkeitsfonds-Mix als erster nachhaltiger Fonds österreichweit die Eine-Milliarde-Euro-Marke -"eine Entwicklung mit Charme".
 
Aigner führt die starken Zuflüsse auf ein neues Werteverständnis zurück: "Früher war die Rendite im Mittelpunkt, jetzt rückt der verantwortungsvolle, schonende und langfristige Umgang mit den Ressourcen ins Zentrum. Nachhaltige Veranlagung bedeutet aber nicht Sozialkapital." Ein Performancenachteil lässt sich - historisch betrachtet -für nachhaltige Fonds nämlich nicht ableiten, vor allem weil nachhaltiges Fondsmanagement aktives Managen bedeute, erklärt Aigner. Und auch hier findet ein Wertewandel statt: Während zu Beginn Ausschlusskriterien ein wesentlicher Faktor waren, geht es nun darum, die positiven Veränderungsprozesse in den Unternehmen zu begleiten und auch -mittels Engagement -voranzutreiben. "Unternehmen müssen sich umstellen und wir sind dabei", so Aigner, denn um eine Klimakatastrophe noch abzuwenden, sei ein globaler Kraftakt notwendig.

Quelle: Raiffeisenzeitung; Text: Elisabeth Hell
Bild: Rainer Stelzer und Dieter Aigner; © RLB Steiermark