15.11.2018 - Auf der grünen Welle

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Die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung fordert Politik und Wirtschaft. Schon einfache Maßnahmen könnten Beschleunigungseffekte bringen.

Im September 2015 wurden 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, kurz SDGs, von den Vereinten Nationen beschlossen. Bis 2030 gilt es, 169 klar definierte Unterziele auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene umzusetzen. "Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft der Politik und Unternehmen zu integrieren, ist ein wesentlicher Gedanke", analysiert Christoph Müller, Mitglied im Advisory Board des Österreichischen Zentrums für Nachhaltigkeit. Bei der Umsetzung sind einige Unternehmen weiter als andere. "Die Raiffeisen Bank International ist eines der Unternehmen, die über die rechtlichen Vorgaben hinaus tätig sind", betont Müller.

Gesellschaftsrechtlich muss dabei alles, was grün ist, auch wirtschaftlich rentabel sein, dazu ist RBI-Finanzvorstand Martin Grüll verpflichtet: "Aber mittlerweile sehen wir die Synergien zwischen nachhaltiger und ökonomischer Rendite." Mit der erfolgreichen Emission des ersten Green Bonds im Juni 2018 ist der Finanzvorstand voll auf den Nachhaltigkeitszug aufgesprungen. Das Orderbuch war in 30 Minuten zweifach überzeichnet und 500 Mio. Euro platziert. "Wahnsinnig viel Kapital sucht grüne Veranlagung. Es scheitert nicht am Mittelaufkommen, sondern an der Mittelverwendung", erkennt Grüll.

Die RBI prüft seit 2014 -seit die Weltbanktochter "IFC" Geld unter gewissen Auflagen zur Verfügung gestellt hat -, ob der jeweilige Kreditantrag die nachhaltigen Kriterien erfüllt. Raiffeisen verpflichtet sich dabei auch zu Ausschlusskriterien. "Wir wollen zwar Kohle machen, aber wir fördern nicht den Bergbau", formuliert es Grüll pointiert.

Banken spielen eine relevante Rolle im Transformationsprozess. Grüll vermisst deshalb nicht nur auf Kundenseite, sondern auch für Banken politische Anreize. Vor einigen Monaten wurde diskutiert, ob Banken bei der Finanzierung nachhaltiger Investitionen eine Lockerung bei der Kapitalunterlegung bekommen. Nachhaltige Projekte tragen bekanntlich oft weniger Risiko, doch die Idee scheint wieder im Sand verlaufen zu sein. "Solche Maßnahmen würden das Budget nicht belasten, hätten aber einen Beschleunigungseffekt", ist Grüll überzeugt.
 

Humankapital

Die Raiffeisen Bank International versucht ihr Nachhaltigkeitsengagement ständig auszubauen, auch um Humankapital zu gewinnen. Qualifizierte und talentierte Mitarbeiter achten zunehmend auf die nachhaltige Ausrichtung ihrer potenziellen Arbeitgeber. Eine Studie unter Stanford-Absolventen zeigt, dass sie dafür sogar Gehaltseinbußen in Kauf nehmen.

Neben den Investoren und Mitarbeitern werden auch die Konsumenten immer anspruchsvoller. Fair gehandelt und energiesparend entscheiden immer öfter über den Produktkauf. Und auch die öffentliche Reputation gewinnt an Bedeutung, weiß Roland Falb, Managing Partner Austria bei Roland Berger. All diese Trends sollten als Chancen gesehen werden, denn sie können weniger Risiko, die Steigerung des bestehenden Business und neue Geschäftsmodelle bringen, so Falb: "Aus guten Taten entsteht nachhaltig gutes Geschäft. Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg müssen einander ergänzen, denn nur so sind sie per se auch nachhaltig."

Nachhaltige Entwicklung braucht gewisse Rahmenbedingungen, sind sich die Experten einig. Eine Nachhaltigkeitsstrategie für Österreich mache allerdings nur Sinn, wenn diese mit Maßnahmen, Zielen, Indikatoren und Überprüfungen verbunden ist, so Müller.

Das Thema Nachhaltigkeit zu beschleunigen, konkreter und sichtbarer zu machen, ist die Intention des Zentrums für Nachhaltigkeit, wie dessen Vorstandsvorsitzender Markus Bürger erklärt: "Wir holen sehr viele Informationen aus dem Ausland, wo schon mehr passiert als in Österreich." Was genau in Österreich schon passiert ist, das wird der erste SDG-Commitment-Report Austria aufzeigen, der im ersten Quartal 2019 veröffentlicht werden soll. Darin werden die Top 100 Unternehmen Österreichs auf ihre nachhaltige Entwicklung analysiert. Um das Expertennetzwerk in Österreich stärker zu nutzen, wird sich auch ein österreichischer Rat für nachhaltige Entwicklung in den nächsten Wochen konstituieren. Die RBI und die Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative, die seit über zwei Jahren mit dem Zentrum für Nachhaltigkeit kooperieren, werden Input liefern und vertreten sein.

Quelle: Raiffeisenzeitung
Bild: Beim Breakfast-Talk des Zentrums für Nachhaltigkeit in der RBI ging es um das Commitment von Unternehmen zu den SDGs. Es diskutierten Markus Bürger, Christoph Müller, Andrea Sihn-Weber (RBI Sustainability Management), Martin Grüll und Roland Falb. - © Foto: WDW4FRIENDS