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11.10.2019 - Jeder muss seinen Beitrag leisten

© Raiffeisen KAG

Plastik ist ein Treiber des Klimawandels. Die Vermeidung bekommt deshalb immer größeres Gewicht, auch bei der Investmentstrategie der Raiffeisen KAG, wie beim Nachhaltigkeitssymposium klar wurde.

Kunststoffe haben viele gute Eigenschaften: leicht, billig, gut verformbar und langlebig. Diese Merkmale tragen dazu bei, dass Plastik heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Seit der Erfindung wurden 6,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert, die Hälfte davon seit dem Jahr 2000. Die Kunststoffproduktion steigt stärker als das Weltwirtschaftswachstum. In Europa werden jährlich rund 60 Mio. Tonnen Kunststoff produziert, 40 Prozent davon gehen in die Verpackung von Gebrauchsgütern – begründet mit Hygiene und längerer Frische. In Österreich ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastik seit dem Jahr 2000 von 26,2 auf 34,1 Kilogramm angestiegen, damit liegt man hierzulande über dem EU-Durchschnitt von 31 Kilogramm.

Die Langlebigkeit von Kunststoff wird zu einem immer größeren Problem. Fast 100 Millionen Tonnen Plastik sind bereits im Meer gelandet. "Im Jahr 2050 kann schon mehr Plastik im Meer sein als Fische", veranschaulicht Martin Wildenberg von Global 2000 den dringlichen Handlungsbedarf. Auch in den Böden findet man mittlerweile überall Mikroplastik, das vor allem durch Klärschlamm verbreitet wird. "Der Klimawandel und ein massiver Verlust der biologischen Vielfalt sind die Auswirkungen", so Wildenberg. Immer öfter verenden Fische an großen Plastikklumpen im Körper. Der direkte Effekt auf den Menschen lässt sich noch nicht abschätzen. Auch wenn Plastik für den menschlichen Körper generell als unproblematisch gilt, sind die 7 Prozent an Zusatzstoffen – sogenannten Additiven wie Weichmacher, Farbstoffe oder Flammschutzmittel – sehr wohl hormonell wirksam. 
 

Im Kreislauf wirtschaften 

"Jetzt ist Zeit zum Handeln. Es ist wirklich notwendig, große Schritte zu setzen", mahnt Wildenberg ein. Für den Umweltaktivisten ist die Lösung klar: "Wir müssen eine Kreislaufökonomie anstreben. Für dieses Umdenken in den Geschäftsmodellen braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Unternehmen und Gesellschaft." 

Jeder muss einen Beitrag leisten. "Bewusster mit den Ressourcen umgehen, das ist ein Auftrag, den wir alle haben – auch die Investmentbranche", betont Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG, und genau deshalb hat sich das diesjährige Raiffeisen-Nachhaltigkeitssymposium dem Thema Plastik und Verpackung verschrieben und aus allen Blickwinkeln betrachtet. So wurde mit Lukas Wiesmüller von Spar über Sinn und Unsinn von Verpackungen im Lebensmitteleinzelhandel und mit Johannes Kisser von Alchemia-Nova über biologische Innovationen gesprochen. 

Angetrieben von Wetterextremen und dem Aufstand der Jugend durch Fridays for Future kommt auch in die Politik Bewegung. CO2-Steuern werden vielerorts angedacht oder bereits eingeführt. "Wenn CO2 keinen Preis hat, dann werden auch keine Anreize geschaffen, sich anders zu verhalten", ist Aigner überzeugt. Am augenscheinlichsten werde das bei Flugtickets: Um 29 Euro von Wien nach Rom? Es gehe nicht nur um die Ressource Natur, sondern auch um den Umgang in Unternehmen und mit Mitarbeitern. 

Für eine Kapitalanlagegesellschaft sei die Veränderung von Geschäftsmodellen eine Riesenchance. "Wir müssen uns überlegen, wie Unternehmen reagieren, um besser zu werden", so Aigner. Fondsmanager weltweit versuchen aber auch direkt Einfluss auf die nachhaltige Entwicklung zu nehmen und mit steigendem Fondsvolumen steigt auch das Gewicht, um Unternehmen zu nachhaltigem Handeln zu bewegen. 

Für Wolfgang Pinner, Leiter der nachhaltigen Investments bei der Raiffeisen KAG, bietet Nachhaltigkeit keine Einschränkungen, wie er betont: "Nachhaltiges Assetmanagement muss versuchen, Ideen, Trends und Chancen zu nutzen, die Unternehmen auf Dauer zukunftsfähig machen und wachsen lassen." In Bezug auf die Plastikproduktion wird also verstärkt in Unternehmen investiert, die einen Ersatz möglich machen oder mit Plastik besonders nachhaltig umgehen. Als Paradebeispiel wird etwa Lenzing angeführt, die mit einer Naturfaser aus Holz, synthetische Stoffe – die nicht nur beim Entsorgen, sondern auch beim Waschen Mikroplastik erzeugen – ersetzen können. 

Raiffeisen hat sich früh dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben und vor 20 Jahren mit dem ersten Umweltfonds begonnen. Gestützt auf den Raiffeisen-Werten konnte man das Thema sofort glaubhaft vertreten, so Aigner. Es folgte der Raiffeisen-Ethikfonds, der durch viele Ausschlüsse – etwa Atomkraft, Glücksspiel und Rüstungsindustrie – gekennzeichnet war. Mittlerweile bietet die Raiffeisen KAG eine zweistellige Fondsanzahl – neben der Neuauflage von Nachhaltigkeitsfonds werden auch bestehende Fonds auf einen nachhaltigen Investmentprozess umgestellt. Mindestens 40 Fondsmanager beschäftigen sich mit Nachhaltigkeit. "Das ist kein Thema eines Produkts, sondern fließt mittlerweile überall mit ein", berichtet Aigner. Es geht sogar so weit, dass man heuer die erste KAG mit einem neutralen CO2-Footprint sein will und das auch erreichen dürfte. 
 

Mit gutem Gewissen 

"Die Nachfrage nach Unternehmen, die nachhaltig sind, überlagert bereits das Performancethema", erkennt der Geschäftsführer. Investieren mit gutem Gewissen ist kein Trend mehr, sondern Mainstream, dafür spricht, dass im Mai ein österreichischer Nachhaltigkeitsfonds, der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mixfonds, erstmals die Milliarden-Euro-Marke geknackt hat. Und das auch aus gutem Grund, denn empirisch betrachtet gebe es keinen Performance-Nachteil, so Pinner: "Nachhaltig heißt per se nicht Outperformance, aber wenn man insbesondere die Aktienfonds entsprechend mit nachhaltigen Konzepten managt, kann man eine gute Performance erzielen und das bei geringerem Risiko." 

Alles Gründe, die bei der Raiffeisen KAG für einen weiteren Ausbau der Nachhaltigkeits-Produktpalette sprechen. Demnächst soll ein nachhaltiger Emerging-Markets-Aktienfonds starten und auch eine nachhaltige Vermögensverwaltung ist kurz vor der Umsetzung.

Die verantwortungsvolle Ausrichtung der Raiffeisen KAG samt ihrer Produkte und Berater wird auch von externen Stellen laufend evaluiert und bestätigt – etwa mit dem österreichischen Umweltsiegel, dem deutschsprachigen FNG-Siegel und der ÖGUT-Zertifizierung der Berater. Über Best-Practice Beispiele aus den Raiffeisenbanken und der Raiffeisen Bank International diskutierten die 100 Tagungsteilnehmer aus ganz Österreich im Anschluss an die Impulsvorträge. 

Quelle: Raiffeisenzeitung; Text: Elisabeth Hell
Bild: Dieter Aigner; © Raiffeisen KAG