04.10.2017 - Zukunft durch Nachhaltigkeit

Mag. Andrea Sihn-Weber © Foto: Thomas Preiss

"Das 10-jährige Bestehen der RKI wurde zum Anlass genommen, eine strategische Weiterentwicklung zu forcieren." Mag. Andrea Sihn-Weber, Leiterin RBI Nachhaltigkeitsmanagement, Geschäftsführerin Raiffeisen Klimaschutz-Initiative


Als Leiterin der Abteilung Nachhaltigkeitsmanagement der Raiffeisen Bank International und Geschäftsführerin der Raiffeisen Klimaschutz-Initiative (RKI) sehe ich es als meine Aufgabe, maßgeblich zur Weiterentwicklung des nachhaltigen Engagements in den Mitgliedsorganisationen der RKI beizutragen.

Um dabei langfristig Erfolge zu erzielen, waren für mich von Anfang an der Dialog mit den internen und externen Stakeholdern sowie eine umfassende Kommunikation von großer Bedeutung. So wurde beispielsweise ein jährliches Networking Event der RKI etabliert, welches neben Experten-Vorträgen und Podiumsdiskussionen auch Best Practice Sharing ermöglicht. Zusätzlich zur RKI-Homepage und Facebook-Seite wird seit 2015 ein eigener, inhaltlich umfangreicher Ökoenergieblog gehostet. Auch ausgewählte Kooperationen, wie etwa mit dem Schüler-Ideenwettbewerb Jugend Innovativ oder oikos Vienna, werden seit vielen Jahren erfolgreich umgesetzt.


Strategische Neuausrichtung

Das mittlerweile 10-jährige Bestehen der RKI wurde zum Anlass genommen, eine strategische Weiterentwicklung zu forcieren. Künftig sollen zusätzlich zu Umwelt- und Klimaschutzthemen auch die Handlungsfelder Kerngeschäft und Soziales sowie ihre Wechselwirkungen im Fokus stehen. Damit bieten wir den 23 Raiffeisen Mitgliedsorganisationen als Kompetenzzentrum eine bestmögliche Plattform in allen drei Säulen der Nachhaltigkeit. Dies ist umso bedeutender, da verschiedene internationale Entwicklungen diesen Trend vorgeben.


Internationale Entwicklungen

So wurde – um zur Lösung der globalen Herausforderungen beizutragen, menschliches Wohlergehen zu fördern und die Umwelt zu schützen – von der UN-Staatengemeinschaft im Herbst 2015 die "Agenda 2030" für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Kernbestandteil sind 17 Ziele, die so genannten Sustainable Development Goals und deren 169 Unterziele. Diese integrieren neben der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung auch die ökologische Nachhaltigkeit. Zudem greifen sie Aspekte wie Frieden und Sicherheit, Gerechtigkeit und globale Partnerschaften auf. Alle 193 UN-Mitgliedstaaten, darunter auch Österreich, sind gefordert, gemäß ihren Kapazitäten einen Beitrag zu leisten. Mehrere der Ziele stehen auch in enger Verbindung mit den Ergebnissen der UN-Klimakonferenz Ende 2015 in Paris. Dabei wurde beschlossen, die globale Erwärmung auf unter 2°C zu begrenzen, was für die Zukunft des weltweiten Klimaschutzes von enormer Wichtigkeit ist.

Der Klimawandel bewirkt bekanntermaßen zahlreiche direkte und indirekte Risiken. In der Finanzbranche können Klimarisiken beispielsweise über Projektfinanzierungen und Kredite schlagend werden, gegenüber welchen die Kunden exponiert sind. Auch Transformationsrisiken, die sich aufgrund veränderter regulatorischer Anforderungen und eines sich ändernden Marktumfeldes auf dem Weg zu einer "Low Carbon Society" ergeben, können erhebliche Auswirkungen auf die Wertschöpfung haben. Die Entwicklung hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft und Gesellschaft bietet aber auch neue Geschäftschancen, die es zu erkennen gilt. Diese Aspekte führten uns dazu, gemeinsam mit dem Umweltbundesamt eine eigene Klimapolitik und -strategie als Orientierungs- und Handlungsrahmen für die Mitglieder der RKI zu erarbeiten.

Begleitet wurden und werden diese Entwicklungen durch einige EU-Initiativen, die sich auf die Nachhaltigkeit fokussieren. Diese haben einen wachsenden Einfluss auf große Unternehmen wie auch den Bankensektor, allen voran sei hier die EU-Richtlinie zum so genannten "Non-financial Reporting" genannt. Damit wird es für Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeitern gesetzlich verpflichtend, ab dem Geschäftsjahr 2017 über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten und Diversitätskonzepte zu berichten. Als Umsetzung dieser EU-Richtlinie hat der Nationalrat in Österreich Ende 2016 das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) beschlossen. Eine weitere aktuelle Maßnahme der Europäischen Kommission ist die Initiierung der hochrangigen Sachverständigengruppe für nachhaltige Finanzierungen im Jänner 2017. Die Gruppe umfasst 20 Entscheidungsträger aus Zivilgesellschaft, Finanzsektor und Wissenschaft, mit dem Ziel, Empfehlungen für eine umfassende EU-Strategie für nachhaltige Finanzierungen vorzulegen. 

Diese tiefgreifenden Änderungen im internationalen und europäischen Raum zeigen die steigenden Anforderungen und somit die Notwendigkeit, sich mit den verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit intensiv zu beschäftigen. In diesem Sinne freue ich mich schon auf viele weitere spannende Projekte in den kommenden Jahren.

© Foto: Thomas Preiss
Quelle: Raiffeisenzeitung