08.06.2017 - Nachhaltige Geldanlage

Wolfgang Pinner, © Raiffeisen KAG

Wolfgang Pinner: "Man muss sich eigentlich fragen, warum man nicht nachhaltig veranlagt, wenn die Performance gleich ist."     

Der US-Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag hat in der Vorwoche für viel Entsetzen gesorgt. Die Auswirkungen von Trumps Entscheidung auf die weltweiten Bemühungen hin zu verstärktem Klimaschutz, einer Dekarbonisierung der Wirtschaft und dem verstärkten Einsatz "grüner" Technologien werden allerdings von Experten als gering erachtet. Der ungebrochene Trend zu mehr Nachhaltigkeit lässt sich auch aus der neuen Jahresstatistik des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) ablesen: Immer mehr Investoren wollen mit ihrem Geld Gutes tun. Mit einem Plus von 29 Prozent ist der Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch 2016 überproportional gewachsen. Im deutschsprachigen Raum steigt das Volumen des nach ökologisch und sozialen Kriterien veranlagten Vermögens damit auf 420 Mrd. Euro. Mit 39 Prozent verzeichnete die Schweiz den stärksten Zuwachs bei nachhaltiger Veranlagung.

In Österreich kletterte die Summe nachhaltiger Investments von 10,22 auf 12,63 Mrd. Euro, das ist ein Plus von 24 Prozent. Der Anteil der nachhaltigen Investmentfonds ist dabei im Vorjahr um 22 Prozent auf 7,1 Mrd. Euro gestiegen. Die Summe der Mandate erhöhte sich um 26 Prozent auf rund 5,6 Mrd. Euro. Wolfgang Pinner, FGN-Vorstand für Österreich und Leiter der Abteilung "Nachhaltige Investments" in der Raiffeisen KAG, begründet die deutlich positive Marktentwicklung so: "2008 hat den großen Wachstumsschwung eingeleitet. Mit der Finanzkrise verbundene Zweifel haben das Thema nachhaltige Investments richtig gepusht." Seit 2008 hat sich das Volumen in Österreich versechzehnfacht. Pinner stellt dabei klar: "Ausschlusskriterien sind kein Gutmenschentum, sondern eine Risikostrategie." Autoritäre Regime, Korruption oder gesellschaftliche Ungleichheit bergen eben auch für Anleger eine höhere Gefahr.    


Immer mehr Privatanleger    

Genau 75 Prozent der nachhaltigen Gelder kommen in Österreich von institutionellen Investoren. Größter Investor sind dabei die Vorsorgekassen, die rund 45 Prozent des Gesamtvolumens halten. Bemerkenswert dabei ist, dass ohne gesetzliche Basis alle neun Vorsorgekassen in Österreich nachhaltig veranlagen. Seit 2004 prüft die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) diese Nachhaltigkeit. Diese Zertifizierung habe eine Art Konkurrenzkampf beim Thema Nachhaltigkeit ergeben, so Pinner. Erfreulich sei auch, dass die privaten Investoren mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 36 Prozent immer stärker mit gutem Gewissen veranlagen wollen. Begründet wird der Zuwachs auch mit einem wachsenden Angebot und einer vermehrten Berücksichtigung bei der Kundenberatung.    

Der Marktanteil nachhaltiger Fonds und Mandate am Gesamtmarkt beträgt mittlerweile 7,6 Prozent, nach 6,3 Prozent im Jahr 2015. In der Schweiz liegt der Marktanteil bei 7 Prozent und in Deutschland bei 2,8 Prozent. Vergleiche mit anderen europäischen Ländern sind aufgrund unterschiedlicher Definitionen nicht zulässig. In Frankreich oder Großbritannien wird das Thema viel oberflächlicher betrachtet und dementsprechend werden höhere Summen und Anteile ausgewiesen. Würde man auch in Österreich Anlagen hinzuziehen, die lediglich einzelne Ausschlusskriterien wie kontroverse Waffen- oder Nahrungsmittelspekulationen berücksichtigen, beträgt das Volumen in Österreich auch 52,5 Mrd. Euro. "Es geht relativ einfach, die Volumina aufzublasen, aber das ist nicht im Sinne unserer strengeren Betrachtung", so Pinner.    

Für den deutschsprachigen Bereich wurden acht Anlagestrategien definiert. Neben Ausschlusskriterien, normbasierten Screenings und der Integration von Nachhaltigkeitsdaten in die Analyse gibt es Best-in-Class, dabei werden die besten Unternehmen in einer Branche herausgepickt. Mit Engagement, Stimmrechtsausübung und Impactinvestment wollen die Fondsgesellschaften Einfluss auf die nachhaltige Geschäftsausrichtung der Emittenten ausüben. Nachhaltige Themenfonds sind eine weitere Strategie, die allerdings im Vorjahr etwas weniger verfolgt wurde. Dass es keine allgemeingültige Definition für Nachhaltigkeit gibt, ist auch ein gewisser Vorteil, denn dadurch bleibt den Fondsgesellschaften ein gewisser Spielraum, sich von Mitbewerbern abzuheben.    


Laufende Verbesserungen    

Die Raiffeisen KAG agiere generell strenger als andere Fondsgesellschaften. Monatlich wird versucht, die finanzielle und nachhaltige Seite - die mit einem eigenen Raiffeisen ESG-Score (Environmental, social and Governance) berechnet wird - weiter zu optimieren. Die hohe Qualität sei auch eine Grundvoraussetzung dafür, dass so viele Berater für das Thema gewonnen werden konnten. "Wir verfolgen einen sauberen und ehrlichen Nachhaltigkeits-Ansatz und halten nichts von 'Green Washing'. Unser Ziel ist, europaweit beim Thema nachhaltige Geldanlage neue Meilensteine zu setzen", betont Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG. Die Zuflüsse bestätigen, dass diese Strategie aufgeht. Allein im Vorjahr ist die Raiffeisen KAG mit 60 Prozent deutlich über dem Markt gewachsen. Insgesamt werden bereits über zwei Milliarden Euro von der Raiffeisen KAG nachhaltig veranlagt, dabei kommt rund die Hälfte von privaten Investoren. "Wir wollen das Thema Nachhaltigkeit auch im Bereich Produktentwicklung vorantreiben. Unser Green-Bond-Fonds war beispielsweise weltweit einer der ersten auf dem Markt", erklärt Aigner. Die Produktpalette umfasst derzeit sieben nachhaltige Fonds, wovon drei im Retailbereich aktiv beworben werden. Als Publikumsliebling hat sich der Raiffeisen-Nachhaltigkeits-Mix herauskristallisiert, der je zur Hälfte in Aktien und in Anleihen investiert.    


Vorgaben durch Ethikbeirat    

Als Pionier für Nachhaltige Geldanlage in Österreich gilt die Kepler Fonds-KAG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Seit dem Jahr 2000 werden von Kepler Fonds nach strengen ökologischen und sozialen Aspekten angeboten. Ein Ethikbeirat mit Kirchenvertretern, Umweltexperten und Fondsmanagern bespricht und überprüft regelmäßig die inhaltliche Ausrichtung. Alle Fonds tragen das Österreichische Umweltzeichen und erfüllen auch den Europäischen Transparenz Kodex für Nachhaltigkeitsfonds. Über eine Milliarde Euro sind bereits in den vier ethisch-nachhaltigen Fonds veranlagt. Allein im Vorjahr ist das nachhaltig veranlagte Volumen um 168 Mio. Euro gewachsen; in den vergangenen fünf Jahren kam es zu einer Verfünffachung. Neben dem Themenfonds "Öko Energien" werden ein Renten-,  ein Aktien- und ein Mischfonds angeboten. "Der Kepler Ethik Mix bedient den immer stärker werdenden Trend werteorientierter Anleger, die im vorherrschenden Niedrigzinsumfeld eine risikoarme Veranlagung mit attraktiven Ertragschancen suchen", berichtet Michaela Keplinger-Mitterlehner, Generaldirektor-Stellvertreterin der RLB OÖ.    


Noch viel Potenzial    

Verantwortung, Transparenz und Nachhaltigkeit passen sehr gut zu den Genossenschaftsprinzipien von Raiffeisen. Dementsprechend früh und intensiv widmeten sich die Fondsgesellschaften und die Berater dem Thema, das auch einen wichtigen Aspekt in der Bildung von Kundenvertrauen darstelle. Das Potenzial ist für Wolfgang Pinner weiterhin riesig: "Man muss sich eigentlich fragen, warum man nicht nachhaltig veranlagt, wenn die Performance gleich ist und man dadurch etwas bewirken kann." Nachhaltige Aktienfonds weisen beispielsweise 50 Prozent weniger CO-Intensität auf, rund ein Drittel weniger Arbeitsunfälle, erzeugen rund 90 Prozent weniger Abfall und verbrauchen um 75 Prozent weniger Wasser, wie die Raiffeisen KAG errechnete. Bei einer Fortschreibung der Wachstumsraten würde sich das Volumen nachhaltiger Geldanlage in ganz Österreich über die kommenden fünf Jahre erneut verdoppeln.    

Der Markt nachhaltiger Anlagen hat 2016 erneut kräftig zugelegt. Mit einem Wachstum von 24 Prozent erreicht das Volumen nachhaltiger Fonds und Mandate einen neuen Höchststand von 12,6 Milliarden Euro. Seit 2008 hat sich das Volumen vervielfacht, wie die Statistik des FNG für Österreich zeigt.     

Quelle: Raiffeisenzeitung