17.04.2017 - Besser mehr Alkohol im Tank

DI Johann Marihart, AGRANA Vorstandsvorsitzender © AGRANA

Eine höhere Beimischung von Bio-Ethanol in Benzinmotoren führt laut einer aktuellen Studie der TU Wien zu weniger Feinstaub.

Die Agrana AG betreibt am Standort Pischelsdorf Österreichs einzige Bio-Ethanolanlage. Dort werden pro Jahr rund 600.000 Tonnen Getreide – die ausschließlich aus dem Stärkeanteil von Futtergetreide-Überschüssen stammen – zu 240.000 Kubikmeter Bio-Ethanol verarbeitet. Eine Hälfte davon dient der fünfprozentigen Kraftstoffbeimischung (E5), die andere Hälfte wird exportiert. Der Bedarf an Bio-Ethanol wäre also auch bei einer Einführung des E10-Kraftstoffs, also Kraftstoff mit zehnprozentigem Anteil an Bio-Ethanol, gedeckt.

Das Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien zeigt nun in Kooperation mit Agrana anhand einer Studie, welche Auswirkungen verschiedene Beimischungsgrade von Bio-Ethanol auf die CO2- und Partikelanzahl-Emissionen von benzinbetriebenen Kraftfahrzeugen haben können.

Da Bio-Ethanol bloß jenen Kohlenstoff enthält, der zuvor von den verarbeiteten Pflanzen aus der Luft aufgenommen wurde, ist seine Verbrennung – vom Feld bis zum Abgas gerechnet – praktisch CO2-neutral. So ging es bei den Messungen für die Studie, die von Marcus Szikora unter der Leitung von Institutsvorstand Bernhard Geringer durchgeführt wurden, nicht primär um die CO2-Gesamtbilanz, sondern darüber hinaus um die Feinstaub-Emissionen, die bei typischem Fahrzeuggebrauch anfallen.

Konkret wurden unterschiedliche Kraftstoffmischungen – mit 5 Prozent (österreichischer Standard), 10 Prozent und 20 Prozent Bio-Ethanol-Anteil – mit drei verschiedenen benzinbetriebenen Fahrzeugen mit der Abgasnorm Euro 6 getestet. Die Untersuchungen fanden sowohl am Rollenprüfstand an der TU Wien als auch unter realen Bedingungen im Straßenverkehr statt. Für die Straßentests wurden die Fahrzeuge mit einem speziellen, hochmodernen mobilen Abgasmesssystem ausgestattet.

Die Ergebnisse zeigen, dass im Vergleich zum gewöhnlichen Benzin mit 5 Prozent Bio-Ethanol-Anteil der Partikelausstoß bei Steigerung auf 10 Prozent Bio-Ethanol um bis zu 23 Prozent gesenkt werden kann – bei einer Beimischung von 20 Prozent Bio-Ethanol sogar um bis zu 61 Prozent.

"Das Ausmaß dieser Reduktion ist bemerkenswert – sowohl am Rollenprüfstand als auch bei den Messungen im realen Straßenverkehr konnten wir eine CO2- und eine markante Partikelanzahl-Emissionssenkung feststellen. Positiv anzumerken ist auch, dass eine solche Maßnahme der Beimischung alle Fahrzeuge, also auch die bestehende Flotte, positiv beeinflussen würde", so Geringer.

"Feinstaub kann einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit haben, und der Straßenverkehr gilt mit etwa 15 Prozent Anteil als einer der Feinstaub-Verursacher. In Österreich zeigen die Feinstaubwerte in der Luft laut Umweltbundesamt erfreulicherweise eine leichte Abwärtsentwicklung. Eine höhere Beimischung von Bio-Ethanol zu Benzin könnte diesen Trend weiter verstärken", so Agrana-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart. Alleine mit der bisherigen Bio-Ethanolerzeugung leiste Agrana einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der österreichischen Klimabilanz. Ökologisch bedeute die E5-Beimischung schon jetzt eine Treibhausgasreduktion von 190.000 Tonnen im heimischen Straßenverkehr, so Marihart.

Quelle: Raiffeisenzeitung