09.03.2017- Mehr Plastik kommt nicht in die Tüte

Bundesminister Andrä Rupprechter und Vertreter der Partnerunternehmen informieren über die ersten Erfolge der Kampagne "Pfiat di Sackerl" © BMLFUW / Antonia Gusenbauer

Die freiwillige Vereinbarung zur Vermeidung von Einweg-Tragetaschen zeigt bereits nach einem Jahr eine deutliche Wirkung.

Nach einer Änderung der EU-Verpackungsrichtlinie haben die Mitgliedstaaten bis 2019 die Anzahl der Kunststofftragetaschen – oder Plastiksackerl wie es in Österreich heißt – auf 90 Stück pro Person und Jahr zu reduzieren. Da die Sackerl wertvolle Ressourcen verbrauchen, oft nur einmal verwendet werden und bei falscher Entsorgung stark die Umwelt belasten, hat sich Österreich ein höheres Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2019 soll die jährliche Anzahl an Plastiksackerl auf maximal 25 pro Person sowie Einwegtragetaschen auch aus anderen Materialien reduziert werden. Davon ausgenommen sind die sogenannten Knotenbeutel im Gemüse- und Obstbereich, welche aber auch nicht mehr zur freien Entnahme an der Kassa aufliegen dürfen.

Vor nicht ganz einem Jahr wurde diese freiwillige Vereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW), umweltbewussten Handelsunternehmen sowie Greenpeace und Global 2000 geschlossen. Die Partnerunternehmen haben gemeinsam einen Marktanteil von rund 30 Prozent: C&A, Deichmann, Hofer, Lidl Österreich, Mediamarkt/Saturn, MPreis, Reiter Betten und Vorhänge, REWE Group, Schäfershop, Spar, Sutterlüty, Tchibo/Eduscho und Unimarkt. Zudem wird die Initiative vom Handelsverband unterstützt.

Die erste Bilanz zeigt nun eine deutliche Wirkung, wie Bundesminister Andrä Rupprechter berichtet. Die Unternehmen konnten im Vergleich zu 2015 die Anzahl aller Einweg-Tragetaschen um fast 89 Millionen Stück reduzieren. Das entspricht einer Verringerung von 15 Prozent. Hochgerechnet bedeute dies einen Wert von 30 Plastiksackerl pro Einwohner. "Wir sind hier mehr als nur auf Zielpfad", gibt sich der Bundesminister zuversichtlich. Mit dem Ziel die Ergebnisse noch deutlicher zu übertreffen, haben die Partner die Kampagne "Pfiat di Sackerl!" gestartet, bei der ein gemeinsames Sujet und der Slogan das Bewusstsein für die Verwendung von Mehrweg-Tragetaschen bei den Konsumenten verstärken soll.
 

Pfiat di Sackerl!

Die Partnerunternehmen setzen auf unterschiedliche Strategien, um den Plastiksackerlverbrauch zu reduzieren. Bei Hofer beispielsweise ist die Einweg-Tragetasche mittlerweile Geschichte. Stattdessen setzt man auf ein größeres Angebot an Mehrweg-Taschen. Zusätzlich würden aus den Erlösen 100.000 Euro in eine Kooperation mit dem WWF zur Forschung nach innovativen Kunststoffalternativen fließen. Ebenso hat sich Tschibo/Eduscho bereits mit Mai 2016 von den Plastiksackerl verabschiedet und bietet ausschließlich wiederverwendbare Taschen an. Nachdem bei der REWE Group die Plastiksackerl schon lange kostenpflichtig waren und die Knotenbeutel nun aus den Kassabereichen entfernt wurden, entschloss man sich auch hier dazu ab 1. Jänner 2017 die Einweg-Tragetaschen komplett aus dem Sortiment zu verbannen. C&A möchte seinen Plastiksackerl-Verbrauch österreichweit um 60 Prozent reduzieren und stattdessen auf wiederverwendbare Taschen aus Biobaumwolle setzen. Bei Reiter Betten und Vorhänge sind Einweg-Tragetaschen kostenpflichtig, erklärtes Ziel sei aber ebenfalls ausschließlich auf Mehrweg-Tragetaschen umzustellen.

Auch im Raiffeisen Warensektor setzt man auf eine Reduktion der Plastiksackerl. So werden für Lagerhäuser, die Franchisenehmer der AFS Franchise-Systeme GmbH sind, seit Oktober 2016 keine Plastiksackerl mehr nachproduziert, sondern nur mehr geringe Restbestände aufgebraucht. Als Alternativen wurden Maisstärke-Tragetaschen, Einkaufs-Kartonboxen oder Papiertragetaschen geprüft – die Entscheidung fiel auf letztere. Ob für die Tragetaschen etwas verrechnet wird, entscheidet jede Lagerhaus-Genossenschaft für sich.

© Foto: BMLFUW / Antonia Gusenbauer
Quelle: Raiffeisenzeitung, Alexander Blach