03.03.2017 - Erreichbares Ziel

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Damit der Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis 2050 gelingt, muss der Energieverbrauch um rund zwei Drittel verringert werden.

Mit dem Pariser Klimaabkommen wurde de facto der globale Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis zum Jahr 2050 beschlossen. "Von diesem Ziel ist Österreich derzeit noch sehr weit entfernt – vor allem im Verkehr. Aber ohne Mobilitätswende ist die Energiewende nicht erreichbar", fasst Ulla Rasmussen, Expertin beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ) eine aktuelle VCÖ-Publikation zusammen.

Der Gesamtenergiebedarf Österreichs betrug zuletzt 1.087 Petajoule pro Jahr, etwas mehr als ein Drittel davon verbrauchte der Verkehr (378 Petajoule). Seit dem Jahr 1990 ist der Energieverbrauch des Verkehrs um über 80 Prozent gestiegen. Kein anderer Sektor ist so stark vom Erdöl abhängig wie der Verkehr. 87 Prozent der im Jahr 2015 vom Verkehr benötigten Energie wurden aus Erdöl gewonnen, beim Kfz-Verkehr betrug der Anteil sogar 92 Prozent, macht der VCÖ aufmerksam.

Der steigende Energiebedarf des Verkehrs ist aber nicht nur auf den sogenannten Kraftstoffexport zurückzuführen. Beim Pkw-Verkehr war im Jahr 2015 die Menge an Treibstoff, die in Österreich getankt und im Ausland verfahren wurde, mit 5,5 Petajoule nahezu gleich hoch wie im Jahr 1990. Hingegen ist die vom Pkw-Inlandsverkehr verbrauchte Energiemenge um 48 Prozent auf 163 Petajoule massiv gestiegen. Noch stärker hat der Energiehunger des Lkw-Verkehrs zugenommen.

Um die Klimaziele bis zum Jahr 2050 erreichen zu können, muss der heimische Energieverbrauch um fast 40 Prozent reduziert werden. Hier bietet vor allem der Verkehrssektor das meiste Potenzial, wie der VCÖ berechnet. Betrachtet man die Gesamtbilanz inklusive der Herstellung der Kraftstoffe, dann verbraucht ein Diesel-Pkw pro Personenkilometer zweieinhalb Mal so viel Energie wie ein E-Pkw. Die CO2-Bilanz der E-Fahrzeuge hängt von der Stromerzeugung ab. Diesel-Pkw verursachen viereinhalb Mal so hohe klimaschädliche CO2-Emissionen wie EPkw mit österreichischem Strommix. Wird Ökostrom getankt, verbessert sich die CO2-Bilanz des E-Pkw nochmals: Diesel-Pkw verursachen dann rund neun Mal so viele CO2-Emissionen. Noch besser ist die Energie- und Klimabilanzdes Bahnverkehrs sowie für kürzere Strecken von Radfahren und Gehen.

Während in der Personenmobilität das Angebot erdölfreier Mobilität bereits vielfältig ist, gibt es beim Gütertransport noch großen Aufholbedarf. Neben der Forcierung des Bahngüterverkehrs gilt es für die Feinverteilung den Einsatz von E-Transportern zu forcieren. Das können im urbanen Bereich für Zustelldienste bis rund 200 Kilogramm E-Cargo-Bikes sein. Für größere Transporte sei die Entwicklung von E-Lkw voranzutreiben, wie der VCÖ vorschlägt.

Um die Energiewende im Verkehr zu schaffen, ist neben der Elektrifizierung eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung und der starke Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie der Radfahrinfrastruktur nötig. Zudem braucht es einen klaren Zeitplan für den Ausstieg aus dem Erdöl. Spätestens zwischen 2028 und 2030 sollten keine Neuwagen mehr mit Verbrennungsmotor verkauft werden. Handlungsbedarf gebe es auch beim Steuersystem. Als Vorbild sei Schweden zu sehen, wo bereits 1991 begonnen wurde, das Steuersystem zu ökologisieren. Der VCÖ spricht sich daher für eine rasche Umsetzung einer ökologischen Steuerreform und für die schrittweise Einführung einer CO2-Abgabe aus.


Förderungsaktionen

Einen Schritt zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens hat kürzlich die Kommission der Umweltförderung im Inland Förderungsaktionen für Elektromobilität beschlossen. "Wir werden mit diesem Paket bis zu 16.000 neue Elektrofahrzeuge auf Österreichs Straßen bringen. Es wird deutlich mehr E-Ladestationen geben und eine eigene Nummerntafel für E-Autos", betonten Umweltminister Andrä Rupprechter und Verkehrsminister Jörg Leichtfried.

Am 1. März 2017 starten insgesamt vier Förderungsaktionen für Betriebe, Vereine und Gemeinden. Dazu zählen die "Förderungsaktion Elektro-PKW für Betriebe", die "Förderungsaktion für Elektro-Leichtfahrzeuge, Elektro-Kleinbusse und leichte Elektro-Nutzfahrzeuge für Betriebe", die "Förderungsaktion Elektro Zweiräder für Betriebe" und die Förderungsaktion "E-Ladeinfrastruktur". Im Hintergrund dieser Förderaktionen steht das E-Mobilitätspaket in Höhe von 72 Mio. Euro, das von Umweltministerium, Verkehrsministerium und Automobilimporteuren Ende des vergangenen Jahres geschnürt wurde.

Quelle: Raiffeisenzeitung