02.03.2017 - Die Stadt prägt das Land

Elisabeth Köstinger © www.marco-riebler.com

Mit dem bewussten Griff zu regionalen Produkten tragen Konsumenten eine große Verantwortung für die Zukunft der Berggebiete, zeigt eine Studie des Ökosozialen Forums. Europa-Abgeordnete und Präsidentin des Ökosozialen Forums Europa, Elisabeth Köstinger, kommentiert die Studienergebnisse.

Die Hauptverantwortung für die Bergregionen Österreichs wird vor allem vor Ort bei der regionalen Politik, den Bauern der Region und den Bewohnern der Berggebiete selbst gesehen. Aber bereits jeder zweite Österreicher sieht die Verantwortung für die zukünftige Entwicklung der heimischen Berggebiete bei den – vor allem in Städten lebenden – Konsumenten durch ihren bewussten Kauf regionaler Produkte. Das zeigt eine Studie des market-Instituts, die im Auftrag des Ökosozialen Forums erstellt wurde. "Das Urbane definiert die Zukunft und bestimmt damit auch die Berggebiete und deren ländliche Räume", analysiert der Studienautor und Leiter des market-Instituts, Werner Beutelmeyer.

Konkret sind es 48 Prozent der Österreicher, die die Zukunft des Ländlichen Raumes, der Berggebiete und der Almen in den Händen der Konsumenten sehen. Bemerkenswert ist aber vor allem, dass sich dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat und damit untermauert wird, dass die Konsumentenverantwortung für die Berglandwirtschaft und deren regionale Agrarprodukte deutlich zugenommen hat. "Dieses gestiegene Bewusstsein zeigt, dass hier ein Lernprozess stattfindet und sich immer mehr Konsumenten bewusst werden, welchen Einfluss ihr Griff ins Regal hat", kommentiert die Europa-Abgeordnete und Präsidentin des Ökosozialen Forums Europa, Elisabeth Köstinger, die Studienergebnisse.
 

Stolz auf regional erzeugte Lebensmittel

Aus der Studie geht ebenfalls hervor, dass mehr als 60 Prozent der Befragten stolz sind auf regional erzeugte Lebensmittel und die von Landwirten bewirtschafteten Almgebiete. "Die Spitzenqualität unserer Lebensmittel aus den Berggebieten muss künftig noch aktiver vermarktet werden", so Köstinger, die eine rasche Umsetzung des Qualitätslabels ‚Bergerzeugnis‘ fordert. "Das richtige Marketing ist ein Mehrwert für die Landwirte und gleichzeitig profitiert die gesamte Region. Produkte mit geographischen Ursprungsangaben, wie beispielsweise das Steirische Kürbiskernöl, erzielen heute schon eine doppelte Wertschöpfung am Markt", betont Köstinger. "Die harte Arbeit der Bergbauern darf sich ruhig lohnen, und jeder Konsument muss wissen, dass er beim ‚Produkt vom Berg‘ höchste Qualität und Nachhaltigkeit mit im Einkaufswagen hat."

Agrarische Produkte aus den österreichischen Bergregionen haben einen deutlichen Mehrwert, der in Relation zu vergleichbaren Produkten aus dem EU-Raum mit rund 20 Prozent anzusetzen ist, zeigen die Umfrageergebnisse. Von der Einlösung dieses Mehrwertes sind daher laut Köstinger vor allem die großen Lebensmittel- und Supermarktketten zu überzeugen. Denn: "Regionalität – vor allem aus den Berggebieten – hat einen hohen Stellenwert. Man muss diesen Mehrwert aber auch aktiv vermarkten."

Dass Bergregionen im Aufwind sind und an Bedeutung gewinnen, glauben mehr als 40 Prozent der Österreicher. Die Bevölkerung sieht diese Bedeutung aber vorwiegend im Freizeitwert und nur zweitrangig werden in diesem Zusammenhang die Bergregionen als Lebens- und Wirtschaftsraum genannt.

"Einerseits schaffen die österreichischen Bergregionen also die nationale Identifikation, andererseits werden sie hauptsächlich als Freizeitraum gesehen", analysiert dazu auch Beutelmeyer. Trotz des hohen Interesses an den Bergregionen präsentiere sich der aktuelle Informationsstand darüber aber eher bescheiden. Vor allem der Zugang der urbanen Bevölkerung zur Berglandwirtschaft gestaltet sich laut Umfrage eher oberflächlich und die landwirtschaftliche Nutzung bzw. Bewirtschaftung der Bergregionen und Almen stehe im gedanklichen Hintergrund, räumt Beutelmeyer ein.

Mit seiner bewussten Entscheidung für ein regionales Produkt könne aber jeder Konsument die Zukunft der Berggebiete und deren ländliche Räume mitbestimmen, denn "die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Berggebiete ist ein Garant für Qualitätsproduktion auf höchstem Niveau", bekräftigt Köstinger.

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Quelle: Raiffeisenzeitung, Edith Unger